Johari-Fenster: Sich seinen blinden Flecken bewusst werden

Johari-Fenster: Sich seinen blinden Flecken bewusst werden

Blinde Flecken Ihrer Persönlichkeit

Kennen Sie das: Personen sprechen auf Eigenschaften Ihrer Persönlichkeit an derer Sie sich selbst gar nicht bewusst sind? In der Sozialpsychologie bezeichnet man die Teile seines Ichs, die von der Persönlichkeit nicht wahrgenommen werden, als blinden Fleck.
Bereits im Jahr 1955 haben die beiden amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham das Johari-Fenster entwickelt. Das Johari-Fenster, das seinen Namen einer Kombination der beiden Vornamen der Entwickler verdankt, erfasst bewusste und unbewusste Merkmale der Persönlichkeit und des Verhaltens. Mittels des Johari-Fensters wird insbesondere der beschriebene blinde Fleck im Selbstbild einer Person offenbart.
In der gruppendynamischen Arbeit der 1960er und 1970er Jahre, spielt das Johari-Fenster eine bedeutsame Rolle zur Demonstration der Unterschiede zwischen dem Selbstbild und dem Fremdbild einer Person.

Wie entstehen blinde Flecken?

Es ist für jeden Menschen möglich, blinde Flecken im Selbstbild zu entwickeln. Oftmals steht diese Entwicklung in Abhängigkeit zur Situation oder der jeweiligen Befindlichkeit und dient als Abwehr- bzw. Schutzmechanismus für die eigene Psyche.

Wie werde ich mir meiner blinden Flecken bewusst?

Eine gängige Übungsform im Zusammenhang mit dem Johari-Fenster sind so genannte “Awareness-Übungen”, mit welchen die Achtsamkeit trainiert wird. So sollen vormals unbewusste Erwartungen anderer erkannt werden.

Mittels Kommunikationsübungen wird zusätzlich die gegenseitige Abstimmung des Selbstbildes und des Fremdbildes, sowie der Erwartungen trainiert.

Teilnehmer erhalten in den Übungen eine Liste von insgesamt 56 definierten Adjektiven, von denen Sie für bis sechs ihrer eigenen Persönlichkeit zuordnen. Die weiteren Gruppenmitglieder erhalten im Anschluss die gleiche Liste und müssen ebenfalls fünf bis sechs Adjektive auswählen, die sie mit der Persönlichkeit der anderen Person verbinden. Gemeinsam werden die jeweils ausgewählten Adjektive in den Feldern des Johari-Fensters platziert, so dass sich das ermittelte Selbstbild mit dem Fremdbild abgleichen lässt.

Johari-Fensters, blinde Flecken
Johari-Fensters

Die vier Felder im Johari-Fenster

Die vier unterschiedlichen Felder “öffentliche Person”, “Mein Gemeimnis”, “Blinder Fleck” und “Unbekanntes” sind das Grundprinzip des Abgleichs von Selbstbild und Fremdbild mittels des Johari-Fensters.

  • Öffentliche Person: Diese Dimension beschreibt alles, was die Person von sich preisgibt. Sowohl sie selbst als auch andere Personen nehmen diese Dinge wahr. Hierzu zählen die äußeren Merkmale, wie besipielsweise körperliche Reaktionen, die Umgangformen oder das Erscheinungsbild aber auch persönliche Eigenschaften und Einstellungen, soweit diese nach außen vertreten werden.
  • Mein Geheimnis: Dies beschreibt all die Dinge, die mir selbst über meine eigene Person bewusst sind. Diese Geheimnisse über die eigene Person werden jedoch bewusst oder unbewusst vor anderen verborgen.
  • Blinder Fleck: Der blinde Fleck beschreibt alles, was von der Person gesendet und von anderen wahrgenommen wird. Diese Dinge sind einem selbst jedoch nicht bewusst. Die anderen Personen erkennen Merkmale und Verhaltensweisen, die uns der Person selbst nicht bewusst sind. Mittels dem Feedback durch andere Personen können die im blinden Fleck verborgenen Informationen jedoch in das Feld “öffentliche Person” übergehen, da diese nun für einen selbst und andere ersichtlich werden.
  • Unbekanntes: Hierunter versteht man alle Dinge, die weder einem selbst noch anderen bewusst sind. Verhaltensweisen und Muster die für beide unbewusst erfolgen aber wichtige Faktoren für die Beziehung zwischen zwei Personen sind, kategorisieren sich in dieses Feld ein.

Den gemeinsamen Handlungsspielraum zu vergrößern und transparenter zu machen, beschreibt Joseph Luft als Ziel des Lernens in der Gruppendynamik. Mittels des Johari-Fensters werden die Informationen im Bereich der öffentlichen Person größer und die für uns selbst oder andere verborgenen Informationen stetig geringer.

Durch das Preisgeben von persönlichen Geheimnissen vergrößern sich die Freiheit und der Handlungsspielraum im Umgang mit anderen Personen. Das Mitteilen von Beobachtungen über blinde Flecken, unterstützt die Person dabei mehr über sich selbst zu erfahren und so eine bewusste Wahrnehmung für den Handlungsspielraum im privaten Bereich und im Umgang mit anderen zu entwickeln.

Ein bewusstes Feedback und ein offenen Umgang untereinander helfen uns auch die gänzlich unbewussten Dinge, die eine Rolle in der Interaktion miteinander spielen, besser zu handhaben.