Feedback: Was uns Selbstbild & Fremdbild verraten

Feedback: Was uns Selbstbild & Fremdbild verraten

Wie wir und andere uns wahrnehmen

Jeder hat es vermutlich schon erlebt, dass die Wahrnehmung die man von sich selbst hat (Selbstbild) in gewissen Dimensionen und Verhaltensweisen von dem Bild das andere über einen haben (Fremdbild) abweicht. Um die eigenen Potentiale zu entdecken, Selbsterkenntnis zu erlangen und sich im Umgang mit seinen Kollegen weiter zu entwickeln ist es sehr hilfreich zu verstehen, wie das Selbstbild und das Fremdbild sind und an welchen Stellen es eine tatsächliche Abweichung gibt.

Wie wir uns selbst wahrnehmen: Das Selbstbild

In der Psychologie bezeichnet man die Vorstellung, die eine Person über sich selbst hat als Selbstbild. Es gibt Überschneidungen mit dem Begriff der personalen Identität, jedoch bezieht sich das Selbstbild stärker auf stimmungsmäßige und psychische Aspekte und unterliegt zudem stärkeren Wandlungen bzw. Schwankungen, als die personale Identität.

Das Selbstbild beruht auf der Selbstwahrnehmung, also der eigenen Wahrnehmung unserer Person und misst sich am Idealbild; dem Bild wie wir gerne sein möchten. Übergeordnet spricht man vom Selbstkonzept, welches Idealbild und Selbstbild zusammenfasst und die gesamte Wahrnehmung und das Wissen um die eigene Person beschreibt.

Unser Selbstbild steuert uns im Alltag: Denken, Fühlen und das Verhalten in unterschiedlichen Situationen werden durch unser Selbstbild beeinflusst.. Wie wir mit anderen umgehen, ob wir psychisch gesund sind und wie leistungsfähig wir sind, hängt im Wesentlichen von der Übereinstimmung von unserem Selbstbild und dem Wunschbild, sowie von der Übereinstimmung von Selbstbild und Fremdbild ab.

Es gibt unterschiedliche Dimensionen, aus denen sich unser Selbstbild zusammensetzt:

  • In diese Dimension der wertenden Elemente des Selbstbildes, fallen die Selbsteinschätzung und die Einstellung zu unserer eigenen Persönlichkeit
  • Die kognitiven Elemente beschreiben unsere Vorstellung von unserem eigenen Wesen und unseren Eigenschaften.
  • Als emotional-affektive Elemente verstehen wir die Selbstliebe und unseren Antrieb.

Die kognitive Dimension unseres Selbstbildes setzt sich aus verschiedenen Dingen zusammen:

  • Selbstwahrnehmung und Wissen um den eigenen Charakter
  • Persönliche Erfahrungen
  • Persönliche Werte
  • Ideale und Wünsche
  • Talente und Begabungen
  • Sozialer Status
  • Körper und Wirkung auf andere

Ist eine Person zur Selbstkritik fähig und bringt sich selbst aufgrund seiner Selbstwahrnehmung Selbstliebe entgegen, ist das Selbstbild auch immer mit emotional-affektiven und wertenden Elementen verbunden.

Eine auf unserem Selbstbild basierende rationale und emotionale Einstellung zu unserer eigenen Person, wirkt sich auf unsere Motivation und unser Handeln, sowie auf das Selbstbild aus.

Unser Selbstbild lässt sich für psychologisch-psychotherapeutischen Zwecken in unterschiedlichen Kategorien betrachten und danach klassifizieren:

  • Die Zuordnung einer konstanten Wertigkeit, Fragilität, Flüchtigkeit oder Wechselhaftigkeit findet im Hinblick auf die Stabilität statt.
  • In der Dimension Wertigkeit unterscheiden wir zwischen positiv negativ und ambivalent, also der Zwiespaltigkeit.
  • Kongruenz: Unser Selbstbild und das Fremdbild über unsere Person sollten nicht zu sehr voneinander abweichen, da ansonstenDauerkonflikte oder Beziehungsprobleme im geschäftlichen und persönlichen Bereich drohen.

Grundsätzlich strebt jeder Mensch ein stabiles und positiv kongruentes Selbstsbild an, welches durch eine wertschätzende Umgebung gefördert wird. Um sein Selbstbild mit den Fremdbildern zu vergleichen und mögliche Diskrepanzen zu ermitteln, empfiehlt sich das Einholen von Feedback.

Wie andere Personen uns wahrnehmen: Das Fremdbild

Beruht unser Selbstbild auf der Selbstwahrnehmung, so ist die Wahrnehmung von anderen Personen ausschlaggebend für unser Fremdbild. Zusammengefasst beschreibt das Fremdbild die Gesamtheit aller Bewertungen, Wahrnehmungen und Gefühle, die andere von uns als Person haben. Dieses Fremdbild entscheidet darüber, wie andere Personen mit uns umgehen und welche Erwartungen sie an uns stellen.

Wahrnehmungen werden dabei ganz automatisch mit Erfahrungen verbunden, die die andere Person in der Vergangenheit mit uns gemacht hat.

Unser Selbstbild wird von den Fremdbildern, die andere Personen zu uns haben stark beeinflusst. Unser Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl wird durch anerkennende und positive Fremdbilder gestärkt, wobei sich negative oder widersprüchliche Fremdbilder eher negativ auswirken und im schlimmsten Fall sogar zu psychischen Erkrankungen führen können.

Umso wichtiger ist es, dass wir uns unserem Selbstbild und den Fremdbildern der Menschen, mit denen wir häufig zu tun haben bewusst sind. Das Hinterfragen von etwaigen Diskrepanzen zwischen dem Selbstbild und Fremdbild kann uns helfen ein Bewusstsein dafür zu schaffen und aktiv damit umzugehen.

Bewusstsein schaffen: Der Weg zur Selbsterkenntnis

Eine regelmäßige Reflexion des eigenen Verhaltens schafft ein Bewusstsein dafür, wie wir bestimmte Dinge handhaben und in unterschiedlichen Situationen reagieren. Die Selbstreflexion beschreibt das Nachdenken über sich selbst und sein eigenes Denken und Handeln. Dieses und die Fähigkeit zur Selbstkritik sind wichtige Voraussetzungen für eine Selbsterkenntnis.
Die Selbsterkenntnis ist eine wichtige Voraussetzung für soziale Interaktionen und ein funktionierendes Sozialleben, da sie die Grundlage für das Verstehen anderer Menschen ist. Ist man sich seiner selbst und dem Wirken auf andere bewusst, wird es einem leichter fallen, die Reaktionen anderer Personen zu verstehen und bestimmte Handlungen bewusster ausführen.
Um eine Selbsterkenntnis zu erlangen, bedarf es der Fähigkeit sein Selbstbild objektiv mit den Bestätigungen anderer Personen zu vergleichen.

Es gibt aber auch Menschen, die keinen sonderlich hohen Wert auf die Erkenntnis über das Wirken auf andere legen, sich Ihrer selbst nicht objektiv bewusst sind oder sich bestehende Schwächen nicht eingestehen möchten. In vielen Fällen beobachtet man hier eine Art Selbsttäuschung, Selbstunterschätzung und Selbstüberschätzung.

Um sich bewusst mit diesem Thema zu beschäftigen und mehr über sein Selbstbild bzw. die Selbsterkenntnis zu erfahren, empfiehlt es sich beispielsweise einen Persönlichkeitstest auszuführen. Dieser gibt Ihnen einen Einblick in die Ausprägung Ihres Persönlichkeitsinventars und Ihren Stärken und Schwächen. Bekannte Modelle sind beispielsweise der Big Five oder der MBTI Test. Eine gute Möglichkeit sich seinem Selbstbild und dem Fremdbild bewusst zu werden, bietet das Johari-Fenster.