Über Schwächen im Bewerbungsgespräch reden

Über Schwächen im Bewerbungsgespräch reden

Früher oder später kommen sie in jedem Bewerbungsgespräch zur Sprache: Persönliche Schwächen. Für den Bewerber ist es oftmals eine heikle Situation, wenn sie der Personaler mit der Frage nach persönlichen Schwächen aus der Reserve locken möchte. Lassen Sie sich von dieser Frage aber nicht verunsichern und überzeugen Sie lieber mit Souveränität.

Selbst wenn Sie sich bei unterschiedlichen Unternehmen bewerben, ähneln sich Telefoninterviews und persönliche Bewerbungsgespräche oftmals und laufen in den meisten Fällen nach einem bestimmten Muster ab:

Phasen im Bewerbungsgespräch
  • Phase 1: Small Talk
  • Phase 2: Vorstellung des Ansprechpartners und des Unternehmens
  • Phase 3: Selbstpräsentation des Bewerbers
  • Phase 4: Frage & Antwort


In der vierten Phase sollten Sie sich als Bewerber auch auf die berüchtigten – fast schon üblichen und abzusehenden – Fangfragen nach persönlichen Schwächen einstellen. Dabei sind zumeist Schwächen Ihrer Persönlichkeit und Charaktereigenschaften, sowie Schwächen fachlicher Natur gemeint.

Oft werden diese Fangfragen durch eine Positivdarstellung eingeleitet und folgen dieser dann direkt – beispielsweise so:

Beispiele

  • Welche Dinge fallen Ihnen besonders leicht? Welche Dinge überhaupt nicht?
  • Wie schätzen Sie Ihre fachlichen Stärken ein? Und was sind Ihre berufsbezogenen Schwächen?
  • Welche Aufgaben haben Sie in der Vergangenheit immer besonders gerne erledigt? Welche Aufgaben würden Sie gerne abgeben?


Mancher Bewerber gerät hier ins Straucheln und lässt sich von diesen Fragen nachhaltig von seinem „roten Faden“ für das Bewerbungsgespräch abbringen. Die meisten Personaler nutzen diese Fragen als eine Art Stresstest und wollen dadurch herausfinden, wie Sie als Bewerber damit umgehen. Üben Sie derartige Fragen am besten und legen Sie sich bereits vor dem Bewerbungsgespräch eine gute Strategie fest, damit Sie diese Fragen gelassen beantworten.

Folgende Tipps helfen Ihnen, wenn Sie im Bewerbungsgespräch über Schwächen reden

Damit Sie im Bewerbungsgespräch auch bei diesen Fangfragen zu Ihren Schwächen weiterhin souverän wirken und überzeugen können, sollte Sie diese Tipps berücksichtigen:

Zu vermeidende Dinge

  • Unangenehme Stille vermeiden: Setzen Sie sich im Vorfeld mit Ihren persönlichen Stärken und Schwächen auseinander und bereiten Sie zu Hause ein paar Antwortmöglichkeiten vor. Das hilft Ihnen ein längeres Überlegen und das daraus folgende Schweigen im Bewerbungsgespräch zu vermeiden.
  • Verpacken Sie keine positiven Eigenschaften als Schwächen: Ein erfahrener Personaler wird auf diesen Trick nicht reinfallen und es eher als amateurhaft werten, wenn Sie eigentlich positive Eigenschaften in einer Negativform als Schwäche verpacken wollen.
  • Schwächen, die Sie für den Job disqualifizieren: Nennen Sie zwingend erforderliche Fähigkeiten als persönliche Schwächen, könnten Sie sich selbst disqualifizieren. Beispielsweise werden Sie einen Job als Mathematiker nicht antreten können, wenn Sie nicht mit Zahlen umgehen können. Vorstandsassistent wird ebenfalls niemand, der kein Organisationstalent besitzt.
  • Eine ausgewogene Mitte: Jeder Mensch hat irgendwelche Schwächen und es gilt diese geschickt zu formulieren. Oft empfiehlt es sich, eine kleine persönliche Schwäche preis zu geben und direkt zu erklären, wie Sie an dieser arbeiten.


Auch wenn in den einschlägigen Ratgebern viel über den Umgang mit persönlichen Schwächen geschrieben wurde, ist die Frage nach diesen für die meisten Kandidaten immer wieder eine neue Herausforderung. Es geht den Personaler viel mehr darum, dass ein Bewerber authentisch bleibt, als dass dieser eine einzigartig geniale Antwort auf diese Fragen findet.

Bereiten Sie sich auf die Fragen zu persönlichen Schwächen im Bewerbungsgespräch vor

Wie eingangs erwähnt, bringt jeder Mensch persönliche Schwächen mit – das wissen auch die Personaler und es gilt nun auszuloten, wie relevant diese Schwächen für die Ausübung der angestrebten Position ist. Sie sollten auch diesen Teil im Bewerbungsgespräch ehrlich und konstruktiv gestalten – zeigen Sie, dass Sie die Fähigkeit zur Selbstanalyse besitzen und eigenständig Lösungen für Ihre Defizite identifizieren können.

Bringen Sie ein bis zwei zuvor vorbereitete persönliche Schwächen zur Sprache und sorgen Sie so dafür, dass dieser Teil im Bewerbungsgespräch schnell wieder vorbei ist. Nehmen Sie diesen Part aber ebenfalls ernst und gehen Sie souverän mit diesem um:

Schwächen vorbereiten

  • Verzichten Sie auf Selbstgefälligkeit und Scherze: „Bei schönen Frauen und einem kühlen Blonden werde ich meistens schwach!“ – dreierlei Aussagen sind bereits im privaten Umfeld grenzwertig und haben im Bewerbungsgespräch nichts verloren. Bleiben Sie ernst und wählen Sie eine wirkliche (kleine) persönliche Schwäche, die einen Bezug zum künftigen Beruf hat.
  • Keine Pseudo-Schwächen: „Ich bin manchmal zu perfektionistisch, ungeduldig und zu ehrgeizig!“ – verpacken Sie eigentliche Stärken nicht in einer Negativform, um sie dem Personaler als Schwäche zu verkaufen.
  • Nicht ehrlich sein: „So spontan fällt mir eigentlich gar keine Schwäche ein – alles was ich anpacke klappt immer ganz gut!“ – derartiges wird Ihnen keiner glauben. Jeder Mensch hat Schwächen: Machen Sie sich bewusst, welches Ihre sind!

So klappt es! Wissenswertes für das Bewerbungsgespräch

Es fühlt sich manchmal so an, als würde die Zeit im Bewerbungsgespräch stehen bleiben oder langsamer laufen als normaler Weise. Die meisten Bewerbungsgespräche dauern aber in Wirklichkeit etwa eine Stunde – und in dieser will einiges besprochen werden. Ihrem Gesprächspartner wird an mancher Stelle im Gespräch also nicht sonderlich viel Zeit bleiben, um bis ins letzte Detail nachzubohren. Unspektakuläre Schwächen, die glaubhaft dargestellt werden und kein Ausschlusskriterium für die Position sind, werden also eher schnell abgehakt.

Wissenswerte Dinge

  • Haben Sie Lücken im Lebenslauf, die sich nicht von selbst erklären? Sprechen Sie diese pro aktiv in Ihrer Selbstpräsentation an und erläutern Sie diese. So beugen Sie unliebsamen Nachfragen vor.
  • Die Standardprogramme und Software für Ihre täglichen Aufgaben kennen und beherrschen Sie gut aber es fehlt Ihnen noch an Erfahrung in einer Spezialsoftware? Kein Problem – belegen Sie einfach ein Seminar und zeigen Sie, dass Sie aktiv und selbstverantwortlich an der Aneignung der benötigten Fähigkeiten arbeiten.
  • Mussten Sie im letzten Job nicht sonderlich viel endlich sprechen und sind Ihre Sprachfähigkeiten ein wenig eingerostet? Verbinden Sie Ihren nächsten Urlaub doch mal mit einer Sprachreise und bringen Sie Ihre Fähigkeiten wieder auf Vordermann.
  • In der angestrebten Position sollen Sie Mitarbeiter disziplinarisch führen und Sie hatten bislang noch keine disziplinarische Führungsverantwortung? Laterale Führungserfahrung, beispielsweise als Projektleiter, kann hierfür ein guter Ausgleich sein – stellen Sie dies in Ihrem Lebenslauf entsprechend dar.


All diese Beispiele können Schwächen für den angestrebten Beruf sein – durch die pro aktive Lösung und die Aneignung der notwendigen Fähigkeiten, stellen Sie diese wahrheitsgemäßen persönlichen Schwächen dar und untermalen Ihr Engagement und Ihre Lernbereitschaft.