Arbeitszeugnis: Was Sie darüber wissen sollten

Arbeitszeugnis: Was Sie darüber wissen sollten

Das Arbeitszeugnis (in Österreich Dienstzeugnis) ist die offizielle Leistungsbewertung des Arbeitgebers. Der Arbeitnehmer kann zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Arbeitszeugnis wählen:

  • Einfaches Arbeitszeugnis: Das einfache Arbeitszeugnis gibt Auskunft über die Art und Dauer des Beschäftigungsverhältnisses, enthält aber keine Wertungen.
  • Qualifiziertes Arbeitszeugnis: Neben den Inhalten des einfachen Arbeitszeugnisses, beurteilt der Arbeitgeber in einem qualifizierten Arbeitszeugnis zusätzlich die Arbeitsleistung, die Qualifikationen und das Verhalten des Arbeitnehmers.

Der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis besteht immer zur Beendigung eines Arbeitsverhältnisses – und zwar ab dem Zeitpunkt der Kündigung und nicht erst mit dem Ausscheiden aus dem Unternehmen. Arbeitnehmer haben aber auch während der Beschäftigung einen Anspruch auf ein Zeugnis. In diesem Fall spricht man von einem Zwischenzeugnis. Dieser Anspruch liegt immer dann vor, wenn es einen triftigen Grund gibt:

  • Versetzung oder Abordnung
  • Wechsel des Vorgesetzten
  • Fortbildung
  • Beförderung
  • Wehr- oder Zivildienst
  • Freistellung als Betriebsrat
  • Mutterschutz, Elternzeit und Erziehungsurlaub
  • Betriebsübergang
  • Sonstige tarifvertragliche Ansprüche

Es gibt für die Erstellung von Arbeitszeugnissen keinen für den Arbeitgeber vorgeschriebenen Automatismus bei Eintreten eines triftigen Grundes, sondern der Arbeitnehmer muss ausdrücklich nach diesem verlangen.

Ein Arbeitszeugnis kann eine Empfehlung des Arbeitnehmers beinhalten, ist aber kein persönliches Empfehlungsschreiben des Vorgesetzten.

Welchen Grundsätzen unterliegt ein Arbeitszeugnis?

Arbeitszeugnisse sollen wahr, wohlwollend und vollständig sein. Diese Grundsätze neuen Arbeitgebern einen Eindruck von dem Bewerber geben, diesen aber zugleich nicht in seinem beruflichen Vorankommen behindern.

Wahrheitsplicht:
Arbeitszeugnisse müssen der Wahrheit entsprechen und alle Informationen enthalten, die für einen künftigen Arbeitgeber relevant sind. Der ausstellende Arbeitgeber ist aber nicht dazu verpflichtet, jedes positive oder negative Erlebnis zu schildern – vielmehr sind negative Dinge nur zulässig im Arbeitszeugnis aufzunehmen, wenn diese “charaktaristisch” für die gesamte Beschäftigung des Mitarbeiters gewesen sind.

Wohlwollen:
Das Wohlwollen leitet sich aus der Fürsorgepflicht eines Arbeitgebers für seinen Arbeitnehmer ab. Jedem passieren mal Fehler und nicht immer wird das gewünschte Ergebnis zu 100% erreicht. Aus diesem Grund gilt hier, dass der Arbeitnehmer hierfür Verständnis zeigen soll und dies zu berücksichtigen hat, wenn er ein Arbeitszeugnis erstellt. Arbeitszeugnisse dürfen den Mitarbeiter “das berufliche Fortkommen nicht ungerechtfertigt erschweren” – oder anders gesagt: Der Arbeitgeber soll seinem Arbeitnehmer keine Steine in den Weg legen, wenn sich dieser nach einer neuen Beschäftigung umschaut.

Zu dem Grundsatz des Wohlwollens zählt ebenfalls, dass Arbeitnehmer bei sehr guter bis guter Leistungs- und Verhaltensbewertung eine Schlussformel die den Dank für die Arbeitsleistung, Bedauern des Weggangs und Wünsche für die Zukunft als beinhält in seinem Zeugnis enthalten haben sollte.

Vollständigkeit
Arbeitszeugnisse müssen alle Dinge enthalten, die für die Bewertung der Leistungen und der Führung des Arbeitnehmers relevant sind. Damit das Arbeitszeugnis den Grundsatz der Vollständigkeit erfüllt, dürfen hier also keine Lücken bestehen. Dieser Grundsatz dient zudem auch zum Schutz des neuen Arbeitgebers, da sich dieser darauf verlassen muss, dass die üblichen Inhalte enthalten sind.

Arbeitszeugnisse unterliegen strengen Regeln und es besteht ein gesetzlicher Anspruch für Arbeitnehmer. Aufgrund dieser vorgeschriebenen Grundsätze, sollten Sie die Formulierungen im Zeugnis unbedingt sehr gründlich lesen, da hier unter Umständen Zeugnis-Codes enthalten sein können.

Wer gute Leistungen in seinem, Job erbracht hat und Pluspunkte für seine Bewerbung sammeln möchte, sollte seinen Vorgesetzten um ein persönliches Empfehlungsschreiben bitten. Hierbei handelt es sich um eine rein freiwillige Leistung der Person, weshalb ein Empfehlungsschreiben umso höher angesehen ist.