Codes im Arbeitszeugnis: Das sind die wahren Bedeutungen

Codes im Arbeitszeugnis:  Das sind die wahren Bedeutungen

Das Arbeitszeugnis ist nicht im Klartext geschrieben, sondern in einer so genannten Zeugnissprache und enthält oftmals Arbeitszeugnis-Codes, die positiv klingen aber bei genauem Hinsehen etwas ganz anderes meinen. Neben den üblichen Formulierungen zur Benotung der Leistungen und des Verhaltens eines Mitarbeiters (von “zu unserer Zufriedenheit” bis “stets zu unserer vollsten Zufriedenheit”) sind manchmal folgende Codes im Arbeitszeugnis zu entdecken:

  • “Er war stets ein geselliger Kollege und bereicherte unseren Arbeitsalltag”: Ist doch eigentlich ganz positiv, oder? Weit gefehlt. Hier steht nichts anderes, als dass Sie ein Alkoholproblem haben.
  • “Sie erledigte ihre Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse”: Hier wird eine eifrige Mitarbeiterin beschreiben – leider aber auch eine erfolglose.
  • “Er zeigte stets großes Engagement für die Interessen der Arbeitnehmer.“ Hier wird dem neuen Arbeitgeber in Spè mitgeteilt, dass der Mitarbeiter im Betriebsrat gewesen ist.
  • “Wir möchten Ihre Fähigkeit hervorheben, Aufgaben erfolgreich zu delegieren”: Und was hat sie selbst gemacht? Nix. So steht es hier zumindest.
  • “Sie war tüchtig und in der Lage, ihre eigene Meinung zu vertreten”: Mit dieser Formulierung ist eine Krankenschwester vor Gericht gezogen, da dies bedeutet, dass sie eine eher aufsässige Mitarbeiterin gewesen ist.
  • “Er hat alle Ihm übertragenen Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß erledigt”: Eigeninitiative war hier wohl eher Fehl am Platz, dafür war es aber bestimmt schön bürokratisch.
  • “Sie hat sich bemüht den Anforderungen gerecht zu werden”: Klingt auch ganz nett, heißt aber, dass sie es leider nicht wurde.
  • “Er verfügt über Fachwissen und zeigt ein gesundes Selbstvertrauen”: Soll heißen: Keine Ahnung vor Irgendwas aber dafür eine große Klappe.
  • “Sie war immer mit Interesse bei der Sache”: Diese Mitarbeiterin war zwar bemüht, hat aber keine nennenswerten Leistungen vollbracht.
  • “Den Kollegen gegenüber war er stets ein einfühlsamer Mitarbeiter”: Könnte als emotionale Intelligenz verstanden werden, meint aber einen aufdringlichen Kollegen, der scheinbar etwas zu viel geflirtet hat. Unter Umtänden auch als Hinweis für Homosexualität zu verstehen.
  • “Sie hat sich stets als umgängliche Kollegin erwiesen”: Oder halt das genaue Gegenteil: Niemand konnte sie leiden.
  • “Sein Verhalten gegenüber Kollegen, Vorgesetzten und Kunden war stets einwandfrei”: Klingt doch super – das Problem an der Sache ist aber, dass der Vorgesetzte nicht an erster Stelle genannt wird. Mit dem Mitarbeiter gab es wohl das eine oder andere Problem.
  • “Wir wünschen Ihr alles Gute und Gesundheit”: Da war wohl jemand recht häufig aufgrund von Krankheit nicht bei der Arbeit.
  • “Besonders bemerkenswert war Ihre Pünktlichkeit”: Ist das nicht eigentlich selbstverständlich? Genau! Und das ist hier das Problem. Die Pünktlichkeit war dann wohl das Einzige, was sie zu bieten hatte.
  • “Er hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt”: Dieser Rahmen war wohl aber eher klein und führte nur zu sehr schwachen Ergebnissen.
  • “Für Ihre Aufgaben zeigte Sie stets Verständnis”: Klasse, dass sie versteht was eigentlich zu tun wären – wenn sie es denn nur machen würde.
  • “Er verlässt uns im beiderseitigem Einvernehmen”: Da scheint wohl aber einer glücklicher zu sein, als der andere – Kündigung durch den Arbeitgeber.
  • “Sie war tüchtig und wusste sich stets zu verkaufen”: Eine wohl sehr unangenehme Kollegin, von der hier gesprochen wird.

Neben diesen Formulierungen gibt es noch unzählige andere. Wenn Sie derartige Muster bei den Formulierungen in Ihrem Arbeitszeugnis feststellen, lohnt es sich, wenn Sie dieses einmal professionell durchleuchten lassen und Ihren ehemaligen Arbeitgeber zur Anpassung motivieren.

Eine Reihe der genannten Formulierungen verstoßen sogar gegen die Regelungen für Arbeitszeugnisse. Beispielsweise dürfen Betreibsratszugehörigkeit, sexuelle Orientierung und Gesundheitszustand nicht oder nur in Ausnahmefällen im Arbeitszeugnis beschrieben werden.

Wer zudem gute Leistungen und ein einwandfreies Verhalten im Job gezeigt hat, sollte seinen Vorgesetzten um ein persönliches Empfehlungsschreiben bitten. Diese sind meistens im Klartext geschrieben und zudem hoch angesehen, da sie auf einer rein freiwilligen Basis erstellt werden.