Arbeitszeugnis: Aufbau und Inhalt

Arbeitszeugnis: Aufbau und Inhalt

Aufbau und Inhalt vom Arbeitszeugnis sind nicht strikt vorgegeben. Jedoch gibt es einige Grundsätze und Restriktionen denen ein Arbeitszeugnis unterliegt. Es soll ein möglichst vollständiges und wahrheitsgemäßes Bild über die Leistungen und das Verhalten des Arbeitnehmers wiederspiegeln und diesen nicht in seinem weiteren beruflichen Werdegang einschränken:

Grundsätzliches zur Form des Arbeitszeugnisses

Ein Arbeitnehmer kann verlangen, dass das Arbeitszeugnis sauber und ordentlich aussieht und auf DIN-A4-Firmenpapier geschrieben ist. Auch ist ein handschriftliches Arbeitszeugnis nicht üblich und das Arbeitszeugnis sollte keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler beinhalten. In diesen Fällen kann der Arbeitnehmer eine Anpassung des Arbeitszeugnisses verlangen.

Was gilt es bei den Inhalten zu beachten?

Formulierung und Beurteilungsmethodik
Hier gilt, dass der Arbeitgeber frei über die Satzstellung und die Wortwahl im Arbeitszeugnis entscheiden darf. Es gibt keine strikten Vorgaben, wie einzelne Inhalte des Arbeitszeugnises im genauen Wortlaut zu formulieren sind oder welche Beurteilungsmethode der Arbeitgeber im Arbeitszeugnis verwenden muss. In jedem Fall muss es aber eine Einschätzung der Leistungen des Mitarbeiters durch den Arbeitgeber geben.

Doppeldeutige Formulierungen dürfen in Arbeitszeugnissen nicht enthalten sein, soweit diese als Kritik an dem Mitarbeiter verstanden werden könnten. Ebenso darf ein Arbeitszeugnis keine Hinweise zu folgenden Aspekten beinhalten:

Verbotene Hinweise im Arbeitszeugnis
  • Verhalten außerhalb der Arbeit und mit Bezug zum Privatleben
  • Nebentätigkeiten
  • Betriebsratstätigkeiten, für die der Mitarbeiter weniger als ein Jahr freigestellt war
  • Schwangerschaft und Mutterschutz
  • Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder Partei
  • Wettbewerbsverbote
  • Schwerbehinderungen
  • Anzahl der Krankheitstage, soweit diese unbeträchtlich sind und Angaben zum Gesundheitszustand, sofern keine Gefährdung anderer Personen zu befürchten ist
  • Vermutete Straftaten und Straftaten, die nicht im direkten Bezug zum Arbeitsverhältnis stehen
  • Teilnahme an Streiks und daraus resultierende Aussperrungen


Ebenfalls darf der Grund für das Ausscheiden des Mitarbeiters nur mit seiner Zustimmung im Arbeitszeugnis aufgenommen werden. Die typische Formulierung “Das Arbeitsverhältnis wurde im gegenseitigen Einvernehmen beendet.” bedarf also der Zustimmung des Mitarbeiters.

Generell ist in den Formulierungen im Arbeitszeugnis zu beachten, dass ein Arbeitszeugnis in der Regel in Zeugnissprache geschreiben ist und diese bestimmte Codes beinhaltet.

Beschreibung der Aufgaben
Für die Beurteilung der Leistung und der Führung, also dem Verhalten des Mitarbeiters hat der Arbeitgeber sehr großen Entscheidungsspielraum. Es liegt allein in seinem Ermessen, welche positiven und negativen Eigenschaften und Kompetenzen des Mitarbeiters für die Bewertung berücksichtigt werden. Der Spielraum für die Beschreibung der Tätigkeit ist wesentlich enger gefasst.

Der letzte Arbeitgeber muss es dem neuen Arbeitgeber mittels des Arbeitszeugnisses ermöglichen ein klares Bild von den Leistungen, der Tätigkeit und der Führung des Mitarbeiters zu erhalten. Lediglich irrelevanter und unwesentliche Aspekte dürfen aus dem Arbeitszeugnis enthalten bleiben Dies gilt aber insbesondere nicht, wenn es sich um typische Tätigkeiten der Position oder Branche bzw. um Aufgaben, die im Bezug zu den Kompetenzen und Leistungen des Mitarbieters stehen handelt. Hier könnte unter Umständen ein versteckter Hinweis enthalten sein.

Sollten derartige Informationen in dem Arbeitszeugnis fehlen, kann der Mitarbeiter eine Ergänzung verlangen, sodass ein vollständiges und wahrheitsgemäßes Bild entsteht.

Leistungsbeurteilung
Der Arbeitgeber soll den Mitarbeiter im Arbeitzeugnis im Hinblick auf seine Fähigkeiten und Kompetenzen, Arbeitsweise und Ergebnisse, sowie auf dessen Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und seine Belastbarkeit bewerten. Fehlt einer dieser Aspekte im Arbeitszeugnis, passiert dieses meistens nicht aus Versehen und sollte hinterfragt werden.

Für die Bewertung dieser Dimensionen gibt es typische Formulierungen, die für die Leistungsbenotung im Arbeitszeugnis genutzt werden:

  • Sehr gute Leistungen: “Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit”
  • Gute Leistungen: “Stets zu unserer vollen Zufriedenheit”
  • Befriedigende Leistungen: “Zu unserer vollen Zufriedenheit”
  • Unterdurchschnittliche Leistungen: “Zur Zufriedenheit”

Ein ähnliches Muster gibt es auch für das Führungsverhalten, also das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeiter, Arbeitskollegen und Kunden eines Mitarbeiters:

  • Sehr gutes Verhalten: “Stets vorbildlich”
  • Gutes Verhalten: “Vorbildlich oder stets einwandfrei”
  • Befriedigendes Verhalten: “Einwandfrei”
  • Unterdurchschnittliches Verhalten: “Ohne Tadel”

Anhand dieser Formulierungen im Arbeitszeugnis gibt der letzte Arbeitgeber dem neuen einen sehr eindeutigen Überblick über die Leistungen und das Verhalten eines Mitarbeiters. In den meisten Fällen, fallen die Arbeitszeugnisse gut bis sehr gut aus. Problematisch wird es für den Empfänger jedoch bei Streitigkeiten zu dem Arbeitszeugnis, da er ggf. den Beweis zu erbringen hat, dass die Leistungen in der Realität besser gewesen sind, als sie im Zeugnis beschreiben wurden. Im Hinblick auf das Verhalten ist dies noch viel schwieriger, da es sich um eine rein subjektive Wahrnehmung der Führungskraft handelt.

Schlussformel und Unterschrift
Bei einer sehr guten bis guten Bewertung der Leistung und des Verhaltens, sollte die Schlussformel den Dank für Leistungen und Zusammenarbeit, das Bedauern des Weggangs und Wünsche für die Zukunft nicht fehlen. Die Position und Hierarchiestufe des Unterzeichners ist meistens ein Ausdruck der Wertschätzung. Es gilt also für die Unterzeichnung des Arbeitszeugnisses: Je höher desto besser – mindestens muss es aber eine Ihnen weisungsbefugte und hierarchisch höhere Person sein, die Ihr Arbeitszeugnis unterschreibt.

Wenn Sie vor Kurzem ein Arbeitszeugnis von Ihrem ehemaligen Arbeitgeber erhalten haben, sollten Sie sich dieses im Hinblick auf die Hinweise dieses Artikels erneut durchlesen und Unstimmigkeiten kritisch Hinterfragen.